100km Laufnacht in Biel (Schweiz)


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Der Bieler 100km Lauf mitten im Sommer ist in der Szene der Ultraläufer ein muß. Eine erlesene Schar von Laufenthusiasten trifft sich dort um die lange Distanz zu überwinden.

 

Auf einem riesiger Rundkurs von 100km wurde am Freitagabend (12.06.) um 22:00 in Biel gestartet. Man läuft durch die Nacht, zum einem wegen der Temperaturen im Sommer aber auch weil der Lauf in der Nacht leichter zu bewältigen ist.

 

Eine ganze Nacht lang die Natur erleben und frühmorgens beim ersten Vogelgezwitscher dem Sonnenaufgang entgegen zu laufen - allein schon diese Vorstellung hat etwas für sich. Es gibt eine ganze Menge Dinge, mit denen sich der Bieler 100 km-Lauf mystisch-romantisch verklären lässt.

 

Der Bieler 100er ist andererseits eben nicht ein lauschiges Nachtläufchen, sondern für einen „Normalkost" gewöhnten Marathonläufer vor allem eines: ein verdammt langer Kampf mit sich selbst, der einen in unbekannte Sphären der eigenen Physis und Psyche führt. Für den jedoch, der wenigstens einmal das Wagnis eingehen will, sich an der magischen 100 km-Grenze zu versuchen, führt am Bieler 100er kaum ein Weg vorbei. Denn dieser Lauf ist aufgrund seiner langen Tradition und seines Bekanntheitsgrades, der sich auch in einem für die Distanz ungewöhnlich großen Teilnehmerzuspruch manifestiert, zumindest in Europa, vielleicht sogar weltweit, „der" 100 km-Lauf schlechthin.

 

Für den Ultraläufer Rainer Leyendecker vom RSLC Holzkirchen ist der Start in diesem Jahr, nach 2009, der 2. in Biel. 2009 benötigte er für die Strecke 9:19:32. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von >10km/h. Mit eingerechnet sind die Zahlreichen Unterbrechungen für essen und trinken etc.

Während die letzte Dämmerung an diesem Freitag verschwindet, formiert sich kurz vor 22 Uhr im Scheinwerferlicht das Startfeld. Es wird etwas ruhiger, die Konzentration nimmt zu, letzte Grüße und Wünsche werden ausgetauscht. Die letzten 10 Sekunden werden heruntergezählt, ehe die Strecke mit einem lauten Knall für die wartende Läufermeute frei gegeben wird. Anfangs stockt der Läuferstrom bei einem riesigen Starterfeld von mehr als 1.243 100km Läufer- innen. Rainer, der frühzeitig einer der vorderen Startplätze eingenommen hat, kann sehr schnell in sein Lauftempo übergehen. Bei km 7 wird die Nachbargemeinde Port und die erste Konditionsprüfung in Form einer 2km langen Steigung erwartet. Diese Steigung ist eine von vielen auf der gesamten Strecke die insgesamt 650 Höhenmeter aufweißt.

Auf kleinen Sträßchen durch Wald und Wiesen geht es weiter nach Lyss und km 23 ist erreicht. In diesem malerischen Ort sind nicht nur viele Zuschauer sondern die Läufer werden von mehreren hundert Radlern erwartet die ab diesem Punkt als Betreuer mit auf die Strecke gehen. Die Hereinnahme der Radfahrer verleiht dem Lauf eine neue Stimmung. Von Vorteil ist, dass sich die Ausleuchtung der Strecke durch das zusätzliche Licht verbessert, andererseits bringen die Radfahrer auch eine gewisse Unruhe mit sich. Beeindruckend ist der Blick, wenn man bisweilen bis zum Horizont das schier endlose Band zahlloser Lichter von Stirn- und Fahrradlampen beobachten kann.

 

In den frühen Morgenstunden, kurz vor 7:00 erreicht Rainer km 95. Wie bei den ersten 5 km sind auf den letzten 5 km die einzelnen Kilometer durch eigene Schilder ausgewiesen. Das ermöglicht eine gute Zeitkontrolle. Man kann in der Ferne schon die baulichen Ausläufer Biels erkennen. Da das Start- und Zielgelände im Osten der Stadt ist, weiß man, einmal in Biel angekommen, nur noch ein Katzensprung bis ins Ziel ist. Dann geht alles ganz schnell dem Bogen des Zieleinlaufs entgegen. Unter dem Applaus der dicht die Banden bevölkernden Zuschauer und - wie auch alle anderen Läufer - persönlich vom Moderator begrüßt folgen die letzen 100m über den ausgerollten blauen Zielteppich hinweg, hinein ins Ziel.

 

Geschafft! Mit einer Zeit von 9:06:22 erreicht Rainer als 40. (56)Läufer das Ziel. Sensationell auch die Alterklassenwertung in der er den 5. (8) Platz belegt.

Die Platzierung von 2009 in Klammern. Damit hat der Holzkirchner Läufer vom RSLC nicht nur die Zeit sondern auch die Platzierung verbessert.

 

Den 24h Lauf am kommenden Wochenende passt leider nicht in den Wettkampfkalender, da die Regenerationszeit zu kurz ist. Für Rainer steht aber ein weiteres High light in August auf dem Programm. Die Challange über 100km in Leipzig die gleichzeitig für den Bayerischen Verband als Meisterschaftslauf gewertet wird. Drücken wir ihm die Daumen das er erfolgreich und verletzungsfrei durch die Laufsaison 2010 kommt.

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