Rainer Leyendecker läuft 209,459 Kilometer am Stück


Beim 24-Stundenlauf 2011 - Die Deutsche Meisterschaft in Reichenbach / Vogtland 23./24.7.11 ist Rainer Leyendecker 209,459 Kilometer gelaufen. Damit wurde er Deutscher Meister in seiner Altersklasse AK55 und belegte in der Gesamtwertung den 5. Platz.

Der 23. Reichenbacher 24-Stundenlauf 2011 – Reichenbach liegt im Vogtland - war von Samstag, 23. Juli, 10 Uhr bis Sonntag, 24. Juli 2011, 10 Uhr, zum 4. Male Austragungsort der Deutschen Meisterschaft der DUV e.V. = Deutsche Ultramarathon-Vereinigung.

Eine Runde durch das Stadion auf der Tartanbahn und im Umfeld misst 1.197,74 m. Nach 167 Runden sind also genau 200 km gepackt. 

Viele Läufer/innen und Betreuer kampierten schon die Nacht zuvor auf der Rasenspielfläche im Stadion oder nächtigten in ihren Autos rund um das Stadion.

Die Witterungsbedingungen waren für die Läufer insgesamt wirklich gut: kein Regen, mal Sonne und Wolken, teils Wind, nur nachts etwas kalt. Die Strecke selbst wies außerhalb des Stadions mehrere enge Kurven auf und war fast flach. Nach drei Stunden gab es stündlich die Zwischenergebnisse im Stadion ausgehängt und tagsüber wurden sie auch von den beiden Moderatoren über Lautsprecher verkündet und kommentiert. Dazwischen wurden von fetziger Rockmusik bis seichtem Pop ein unterhaltsamer Musikmix abgespielt. 24 h dm start mit rainer nr. 182_4

Vorangemeldet waren 160 Läufer/innen. Als DUV Mitglieder liefen 137 Deutsche um die Meisterschaft mit, darunter 33 Damen. Der einzige Ultraläufer beim RSLC Holzkirchen – Rainer Leyendecker – lief insgesamt meisterlich und gewann so die Meisterschaft in seiner Altersklasse M 55 mit 209,458 km (175 Runden) mit deutlichem Vorsprung vor Norbert Madry mit 195,222 km und Nikolaos Adam mit 189,843 km, gefolgt von 15 weiteren Herren zwischen 55 und 59 Jahren. Es war schon Rainers 10. Ultralauf in 2011, wobei er bisher insgesamt 1.013 km weit lief.


Etwa 20 Teilnehmer wiesen bereits Bestleistungen über 24 Stunden von mehr als 200 km auf und die Top-Favoriten teils über 220 km. Rainer Leyendecker zählte vorab mit seinen 193,908 km Anfang Juni bei der Premiere des 24-Stundenlaufes im Olympiapark nicht zu den Top 20. Aber er startete bestens motiviert und beflügelt durch seine letzten Erfolge beim internationalen Zermatt Bergmarathon am 9. Juli (3. Platz seiner AK, 1.950 Höhenmeter) und beim Bärenfels Ultratrail am 16. Juli in der Pfalz (Gesamtsieger über die 65 km mit 2.200 Höhenmetern) mit dem Ziel: AK-Sieg und über 206 km, um momentan auch bester Deutscher seiner AK über diese Zeitdauer zu werden. Beides gelang, scheint es, mit Bravour, aber es war sein schwerster Lauf.

24 h dm sonne nach langer nacht_4Rainer legt gerne zügig los, um sich noch frisch und stark ein gutes Polster für die zweite Halbzeit solcher Läufe heraus zu laufen. Das ist in der Ultraszene unüblich und sorgt immer wieder für Überraschungen im Starterfeld. So führte er das Feld nach 6 Stunden klar mit 70,8 km und nach 9 Stunden mit genau 100 km an. Doch dann ließen erwartungsgemäß seine Kräfte nach, das Polster war groß genug – und die vielen Favoriten kamen richtig ins Rollen. Allerdings zogen nach 12 Stunden mit Einbruch der Nacht erst zwei an ihm vorbei – Rainer hatte bis dahin 127,142 km geschafft, was in der aktuellen deutschen 12-Stunden-Bestenliste Platz 7 bedeutet hätte. Nach 14 Stunden um Mitternacht war er noch Fünfter. Einige Favoriten schwächelten schon aufgrund ihrer Aufholjagd.

Bei den ersten Sonnenstrahlen morgens um 7 Uhr, also nach 21 Stunden pausenloser Lauferei, stand er mit 190 km wieder auf Rang 4 der Herren, aber die beste Dame hatte schon 201 km und damit 10 Runden mehr zurück gelegt. Und zu guter Letzt behauptete Rainer den 5. Gesamtplatz bei den Herren, während die 39-jährige Antje Krause als beste Dame ihren Vorsprung auf grandiose 228,491 km ausbaute. Bei den Herren siegte der 27-jährige Florian Reus mit 246,350 km deutlich vor dem M 50-er Michael Hilzinger, gefolgt von den M 45-ern Kai Horschig mit 223,635 km und Stu Thomas mit 212,182 km. Die Vizemeisterin Marika Heinlein (W45) war mit 208,881 km nur knapp hinter Rainer.

Bis auf die beiden ersten Damen und Herren konnten die meisten Läufer/innen in den letzten Stunden nach der langen Nacht von Reichenbach nur noch traben statt laufen oder legten ab und an Gehpausen ein oder auch Ruhepausen am Verpflegungsstand oder bei ihren Betreuern im Liegstuhl oder Schlafsack. Es zeigte sich mal wieder, dass solch lange Läufe erst in den letzten Stunden entschieden werden und niemand vorhersehen kann, wie lange Kraft und Energie, Motivation und Wille reichen und wie die Athleten mit ihren Tiefs zurecht kommen. Auf jeden Fall blieb leider ein Großteil der erklärten Favoriten um Gesamt- und Altersplatzierungen auf der Strecke, hielten also nicht bis zum Schluss durch. Aber Rainer, der noch keines seiner über 100 Rennen seit Herbst 2007 aufgab, biss sich ohne Gehpausen durch, auch wenn es in den letzten Stunden nur noch zu einem Trabtempo von 6 bis 7 km/h reichte.

24 h dm - die 8 besten herren_4Ein Lohn der Mühe war Sonntagmittag die Siegerehrung im Stadion mit Übergabe der Urkunden und Medaillen für die jeweils acht besten Damen und Herren und die jeweils drei Besten ihrer Altersklassen. Allein auf sich gestellt, wäre so eine lange Distanz kaum zu bewältigen. Deshalb gilt der besondere Dank Rainers an seine Ehefrau Marlyn, die ihn wieder mal rund um die Uhr an der Strecke betreute und den Lauf und das Drumherum auch fotografisch dokumentierte.

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