Rainer Leyendecker wieder auf der Überholspur

Rainer hat von Ende Jan. bis Mitte April einige Aufbau-Wettbewerbe als Training bestritten: 2x Marathon (unter 3:30 h), 2x 50 km (unter 4:00 Std.) und 3x 6 Std. (unter 70 km) – jeweils seine schlechtesten Ergebnisse seit Laufbeginn Ende 2007, aber immerhin noch 6x auf den AK Podestplätzen 1 , 2 oder 3.

Dann hat er wieder richtig eingegriffen am 29. April beim St. Wendel Globus Marathon, am 13. Mai beim Hartfüßler Ultratrial im Saarland und am 19. Mai bei der Deutschen Ultratrail Meisterschaft der DVU im Hochsauerland, wo er seinen Ultra-Meistertitel bei M55 verteidigte.

29. April : 5. St. Wendel Globus Marathon im Saarland:

Nach packendem Finish auf den letzten 12 km war ich AK Sieger in 3:13 Std. mit 5 Sek. bzw. 2 Min. Vorsprung vor meinen Verfolgern ; das bedeutete 33. Gesamtplatz von 255 Finishern (6 Damen schneller als ich !). Und endlich war es geschafft: mein 50. AK Sieg seit Laufbeginn Sep. 2007 ! Bei diesem Stadtlauf machen „als Attraktion" immer 3-4 sehr flotte Kenianer den Sieg unter sich aus und lassen den deutschen Topläufern keine Chance.

13. Mai : Premiere des Hartfüßler Ultratrail im Saarland:

Es geht über 55 km mit 1600 Höhenmetern durch die Steinkohlenwälder. Der Lauf wurde zum Ende des Saarländischen Bergbaus heuer nach 250 Jahre aufregender Geschichte ins Leben gerufen. Unsere Trails führten in einer großen Runde über alte Bergmannspfade, eben die der Hartfüßler, sparten aber auch keine der sechs hohen Abraumhalden aus und zeigten uns alte Bergwerke mit Fördertürmen und Absinkweihern. Eben ein Lauf durch ehemals lebendige Geschichte ! Bei Auswertung der Online-Starterliste nach Meldschluss rechnete ich mir gute Chancen aufs Podest aus. Aber unter den Nachmeldern morgens war ein mir nicht bekannter flotter Franzose, der zügig mit anderen Läufern des 30 km Laufes davonzog; den hielt ich für einen unerfahrenen Schnellstarter und ließ ihn ziehen. Ihm bald außer Sichtweite folgte ich mit 3-4 Läufern vor dem großen Feld, das sich bald in Einzelläufer und Grüppchen aufsplittete. Meine Frau Marlyn konnte automobil an 3 der 5 Verpflegungspunkte kommen und uns Läufer besichtigen und mir Abstände durchgeben.

Mit dem Neueinsteiger Gerhard (M50) an 2./3. Stelle blieb ich lange zusammen, bis wir uns nach ca. 30 km im Nirgendwo in einem Wald hinter der höchsten und beeindruckendsten Halde verliefen, weil jemand die Streckenmarkierungen am Boden verwischt bzw. die Flatterbänder an den Büschen ab- oder umgehängt hatte. Beim Suchen liefen Nr. 4+5 zu uns auf. Da ich als einziger einen groben Streckenplan dabei hatte und eine gute Idee, wie wir wieder im Tal auf die Strecke kämen, kamen wir gemeinsam nach einigen KM wieder an eine Markierung und fanden die Verpflegungsstation. Danach ging das "Rennen" wieder los, Gerhard und ich zogen erneut davon. Der Führende war schon 20 Min. voraus und wir beide beschlossen, auch die letzten Halden und Waldpfade gemeinsam zu meistern und zusammen ins Ziel einzulaufen. So waren wir nach 5:26 Std. mit 32 Min. Rückstand auf den Sieger Paul Moog aus dem Elsass als Zweite im Ziel von 56 Finishern der Langstrecke. Über die 30 km kamen 15 Damen und 60 Herren in die Wertung. Bei der Siegerehrung gab es für die beste Dame und den besten Herrn über 30 und 55 km eine tolle Grubenlampe, für die 2. und 3. je Biergläser mit Gravuren und für alle Finisher echte Steinkohle-Brocken. Endlich hatten wir mal nach einem Wettbewerb mehr Kohle als vorher !

19. Mai : 6. Bödefelder Hollenlauf im Hochsauerland

– heuer Deutsche Ultratrail Meisterschaft der DUV:

Das Naturdorf Bödefeld bietet an seinem Laufwochenende für jeden aktiven Naturliebhaber etwas – mit den Distanzen 13, 21, 42, 67 und 101 km zum Laufen oder Wandern. Es geht durch Wälder und entlang Wiesen im Wechsel zwischen Trails, Forst- und Nebenwegen. Die beiden Langdistanzen verlaufen zur Krönung über den Kahlen Asten, den mit 841 m höchsten Berg im Rothaargebirge. Die DM trugen wir über 67 km mit 1550 Hm aus, bei der Königsdisziplin über 101 km waren 2100 Hm zu meistern. Als Läufer ist es kaum denkbar, so lang Tag und Nacht wandern zu müssen. Für die DM war 1 Woche vorm Start Anmeldestopp, konnten also keine flotten Mitbewerber mehr heimlich nachmelden. Die Starterliste verriet in der AK 55 ein erwartet starkes Feld von 10 Läufern mit teils besseren Ergebnissen als ich heuer hatte. Also schaute ich bereits morgens vorm Start um 06.30 Uhr nach deren Startnummern und prägte mir die passenden Gesichter und das Outfit ein (nur 2 flotte Läufer kannte ich bereits).

Beim gemeinsamen Start der ca. 200 Läufer über 67 km und 101 km hielt ich mich anfangs hinter der enteilenden Spitzengruppe. Denn nur so konnte ich sehen, ob und welcher Mitbewerber um den AK Titel an mir vorbei wollte. Die 1. Etappe war ein 13 km Rundkurs um Bödefeld über einen Berg. Dann ging es 350 Hm hoch auf den Hauptkamm und nach Ups and Downs zum Kahlen Asten. Vorm Steilanstieg über die Skipiste bei km 27 erfuhr ich von Marlyn, dass ich zuvor im Dorf schon 1-5 Min. Vorsprung auf meine Verfolger hätte. Recht beruhigend für mich bis zur Wendemarke nach 40 km ! Auf gleicher Route über den Kahlen Asten ging es dann zurück und waren die besten die Verfolger schon knapp hinter mir. Recht beunruhigend, denn mir gingen nun die Kräfte raus – und der M55er Siegfried Fischer düste im Schlepptau der besten Dame bald an mir vorbei, mein Laufbekannter Nicolaos Adam war schon in Sichtweite hinter mir. Auch wenn ich mich geschlagen gab, wollte ich wenigstens aufs Podest laufen!

Aber bei einigen steilen Anstiegen musste ich sogar gehen, oben am Asten bei km 53 sah ich Siegfried schon ca. 1 km entfernt unten im Wald verschwinden. Endlich bei km 55 wieder ein Versorgungspunkt mit Malzbier und Marlyn mit Powergel, Traubenzucker und Isodrink. Siegfried tankte dort laut Marlyn etwas länger, so schwand unser Abstand etwas. Gut 100 Hm ging es dann im Wald bergab, kam ich ins Spurten und sah dann Siegfried am letzten Berg mit gut 100 Hm vor mir. Während er schon ging, keuchte ich trabend weiter und holte ihn am Pass bei km 60 ein. Mein Vertrauen in meine finalen Kräfte war zurück, auf den verbleibenden 7 km noch 350 Hm flott, aber besonnen ablaufen und ich hatte meinen Ultratrail Meistertitel aus 2011 im Allgäu verteidigt. Zu guter Letzt waren Siegfried 3 Min. und Nico 11 Min. nach mir im Ziel, die nächsten 2 M 55er liefen 19 Min. hinter mir ein und kein M 55er gab auf ! Zu meiner Überraschung errang ich mit 5:53 Std. den 16. Gesamtplatz von 115 Finishern, darunter als einziger Dame die Siegerin Pamela mit 6 Min. Vorsprung – und pulverisierten die besten 5 M55er die alte AK Bestmarke von 6:44 Std. Bei den Männern wurde Réné Strosy nach beherztem Finish in unglaublichen 4:51 Std. neuer Deutscher Meister. Über 101 km liefen nur 1 Dame in 12:31 Std. und 42 Herren (der beste in starken 9:03 Std.) im Zeitlimit über die Ziellinie.

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