Uraufführung von "Mozart 100" in Salzburg - Rainer Leyendecker überraschend gut dabei

Am 23. Juni lief die Premiere dieses neuen attraktiven Landschaftslaufes zwischen Salzburg und dem Fuschlsee. Start und Ziel waren am Mozartplatz im UNESCO Weltkulturerbe in Salzburg. Drei Distanzen standen zur Auswahl: der Mozart Light - 24 km mit 380 Hm von Fuschl am See zum Mozartplatz, eine große Runde von Salzburg um den See und zurück mit 54 km und 1070 Hm - und als Königsdisziplin eine 46 km lange Runde mit 950 Hm zum Schloss Fuschl und zurück zum Mozartdenkmal und danach die 54 km Runde. Über 54 und 100 km waren im Angebot Bewerbe für Einzelläufer/innen, Staffeln und Nordic Walker, über 24 km aber keine Staffeln. Somit gab es eine tolle Laufpalette für Einsteiger bis Profis und für Viererteams über beide Ultrastrecken.

Mit Startnummer 100 war auch Rainer Leyendecker als bisher einziger Ultraläufer vom RSLC Holzkirchen mit dabei. Insgesamt waren 232 Aktive angemeldet, von denen die meisten auch starteten und ihr Ziel erreichten. Die Route bot vom Untergrund her viel Abwechslung: kleine Landstraßen und breite Forstwege, sog. Single Trails (schmale kaum begangene Pfade) mit knackigen An- und Abstiegen, weglose Wiesen- und auch einige Treppenpassagen. Der längste Anstieg betrug etwa 300 Hm, andere nur um die 100 Hm. Da die echten anspruchsvollen Trails nur etwa ein Fünftel der Strecken ausmachten, konnten auch Neulinge auf ihre Kosten kommen.

Alle "Hunderter" starteten um 5 Uhr in der Morgendämmerung, die 54er um 8 Uhr und die 24er um 9.30 Uhr. Die starken Niederschläge der Nacht ließen, wie von den Wetterfröschen angekündigt, schon gegen 6 Uhr nach. Was blieb, war auf den Trails viel Nässe mit Pfützen und Matsch, doch das war für die Landschaftsläufer kaum ein Problem, denn mit 15 bis 25 Grad war es angenehm warm. Viele starteten somit ohne Regenkleidung und auch ohne Trail-Rucksack, denn nach den ersten 10 km erwarteten sie alle 5-7 km gut bestückte Verpflegungsstationen.

Die einheimischen Läufer hatten den Vorteil, die ab Pfingsten bereits markierte Strecke testen zu können, die Zugereisten aus 16 Nationen kannten die 100er Route erst nach der 1. Runde. Rainer ging es nach 2 Wochen Laufpause bei so viel "Konkurrenz" in der Starterliste nicht um die TopTen, sondern um einen Podestzplatz in der stark besetzten M50-59 Altersklasse. Die ersten 20 km lief es bestens für Rainer, er konnte einige Läufer am Berg überholen. Der beste AK 50 Verfolger und für Rainer Favorit, Rudi aus Salzburg, der diesen Hunderter als sein Highlight 2012 im WEB auslobte, war schon 3 Min. hinter Rainer; es folgten ein Italiener und Slowene. Rainers Ehefrau Marlyn kam automobil mehrmals an die Strecke und konnte jeweils die Abstände der Mitläufer mitteilen.

Bis zum Schloss Fuschl bei km 25 war Rudi wieder in Sichtweite hinter Rainer, überholte ihn bei km 36 und zog zügig davon. Rainers Probleme mit Blasen am rechten Fuß nahmen zu, eine Aufgabe drohte. Aber er wollte wenigstens die 1. Runde als AK Führender beenden, lief wieder zu Rudi auf und auf einem schweren Trailstück einen Vorsprung heraus. So motiviert, ging er doch auf die 2. Runde und vergrößerte seinen Vorsprung auf Rudi. Fast alle Läufer waren inzwischen allein unterwegs mit wenig Sichtkontakt zu andren. Nach dem längsten Anstieg war überraschend Rudi erneut zu Rainer aufgelaufen. Nun schien eine besondere Taktik gefragt. Rainer gab auf den Trailpassagen sein Bestes, um trotz zunehmender Schmerzen flott an Vorsprung zu gewinnen. Und ab km 70 blieb Rudi außer Sichtweite, aber laut Marlyn nur 3-5 Min. gefährlich dahinter. Zeit und Notwendigkeit für Rainer, Einlagen und Socken zu wechseln, bevor wohl die Blasen platzen.

Nun ging es auf der langen 2. Runde rund um den Fuschlsee auf dem Wanderweg, den viele als flach und einfach wähnten, der aber viel Aufs und Abs beinhaltete und somit kräftezehrend war. Die Sonne kam heraus und es wurde richtig warm. Endlich wieder eine Landstraße zum Dahinlaufen ohne Anspannung, dann aber wieder die 22 % Steigung hinauf nach Hof. Oben am Kontrollpunkt bei km 85 hatte Marlyn die Position von Rainer erfahren - unglaublicher Vierter, wobei das Spitzentrio schon weit weg war. Jetzt aufzugeben wäre blöd gelaufen bei der Chance, diesen Platz verteidigen zu können. Marlyn wartete auf Rudi und fuhr dann zum letztmöglichen Treffpunkt, während Rainer an der Motorrennstrecke des Salzburgrings vorbei lief.

Schon 5 Min. Vorsprung bei km 90 und weitere Verfolger außer Sichtweite. Also den AK Sieg sicher, wenn auch schmerzhaft, nach Hause laufen und nichts mehr riskieren mit den lädierten Füßen, während Marlyn nach Salzburg fuhr und zum Ziel eilte. Nach dem letzten steilen Trailstück bei km 97 schon festen Boden am Stadtrand unter den Füßen, stolperte Rainer und zog sich beim Sturz einige Schürfwunden dazu. Doch das war nun egal, noch durch die Fußgängerzone der Linzer Gasse und auf den Steg über die Salzach. Der Moderator war durch eine Messmatte am Kai schon auf dem Laufenden und kündigte Rainer mit Ankunft auf dem Roten Teppich als vierten 100er Finisher an. Marlyn reichte ihm noch eine Hawaii-Blumen-Kette mit den deutschen Nationalfarben, die sie tags zuvor fürs Anschauen des Fußball-EM Viertelfinales gekauft hatte.

So wurden die letzten Meter die einfachsten des Rennens, das Rainer in 10:24 Std. beendete, gefolgt von Rudi als Fünftem mit 7 Min. Rückstand. Die Podiumsplätze belegten ein US-Amerikaner als Topfavorit, ein Niederländer und der beste Österreicher - alle in der AK 30. Bei den Damen siegte eine Österreicherin überraschend vor der Top-Favoritin aus Großbritannien und gefolgt von einer Ungarin. Die Siegerehrung für die diversen Distanzen und Bewerbe wurde immer wieder kurz unterbrochen, um einlaufende oder walkende Finisher persönlich begrüßen und bejubeln zu können, denn bei solchen Ultraläufen gilt jeder Finisher als Sieger. Zielschluss war erst Mitternacht, aber Rainer und Marlyn machten sich schon um 20 Uhr auf den Heimweg - um ein spannendes, ereignis- und erfolgreiches Laufevent reicher !

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