Lehrreiche Lauf-Impressionen vom 1. Eiger Ultra Trail um Grindelwald

Unser RSLC Ultraläufer Rainer Leyendecker war mit seiner Frau Marlyn zum Aktiv-Camping-Urlaub im Berner Oberland. Aber nicht urlaubsfreundlich gestaltete sich sein Lauftag bei der Premiere dieses ausgebuchten Laufes über 101 km mit 6.700 Höhenmetern. 450 Ultras aus 26 Nationen weltweit waren gemeldet, nur 257 kamen in die Zielwertung. Gestartet am 20. Juli vor der Morgendämmerung in Grindelwald um 5 Uhr, verlief die Strecke meist über Trails zur Großen Scheidegg mit grandiosem Sonnenaufgang mit Blick auf Eiger - Mönch - Jungfrau und dann mit vielen steilen Auf- und Abstiegen über First aufs Faulhorn (2.680 m). Rainer lag nach 6 Std. noch gut im Zeitplan, aber dann begannen lange, technisch schwierige Passagen über Steinplatten und durch steile Schneefelder zur Schynige-Platte Der Abstieg ins Tal zur kurzen Halbzeit-Pause in Burglauenen bei km 52,5 auf nur 900 m erfolgte über teils gesicherte Steige.
Nach fast 10 Stunden Arbeit mit vielen für Rainer nicht laufbaren Passagen war hier die Möglichkeit zum Umziehen und Nudelessen vor einem langen und anspruchsvollen Auf- und Abstieg nach Wengen. Von dort war die 1.000 m hohe Steilwand hinauf zum Männlichen-Gipfel in Serpentinen zu bewältigen. Doch plötzlich zog sich der Himmel rasch zu. Als sich die ersten Gewitter zusammenbrauten, war Rainer mit einigen Mitläufern schon vor den eisernen Lawinenschutz-Zäunen unterwegs und schaffte es trotz Wettersturz mit bedenklichem Gewitterregen im Wolkennebel bis zur Bergstation auf 2.300 m. 14 Stunden Arbeit für nur 68 km, aber immerhin 5.200 Höhenmeter - ein neuer Rekord für ihn!
Das Rennen wurde nun an allen Kontrollstationen wegen weiterer Gewitter mit Starkregen unterbrochen. Marlyn kam, wie vorher per SMS abgesprochen, mit warmen Wechselsachen per Lift zur Bergstation und Rainer konnte sich umziehen und gut aufwärmen. Da waren die weltbesten Ultrabergläufer schon längst im Ziel und geduscht. Als nach 20 Uhr abends das Rennen unter Aussparung weiterer alpiner Passagen (die Lauberhorn-Skiabfahrt und der Eiger Nordwand-Trail) wieder frei gegeben wurde, war es für Rainer gelaufen. Mit gutem Gewissen und einigen Wehwehchen meldete er sich beim Orgateam ab und fuhr per Lift mit Marlyn hinunter nach Grindelwald. Im Zielbereich warteten beide auf befreundete Mitläufer bis um Mitternacht. Die letzten Ultras kamen auf der um 12 km verkürzten Strecke erst vor 5 Uhr früh ins Ziel. Die Siegerehrung war morgens um 11 Uhr im Angesicht des Eiger.
Dieses Event in einer so großartigen Berg- und Landschaftskulisse war trotz der Strapazen unterwegs ein emotional sehr wertvolles Erlebnis - auch durch die Begegnungen mit den Mitläufern und deren gegenseitige Unterstützung gerade in schweren Laufzeiten. Rainer liebt den Reiz solcher Ultra-Premieren und kann auch mit so einem Scheitern leben. Aber es gibt ihm auch Anreiz für einen neuen Versuch unter Verwertung seiner Erfahrungen. Die wichtigste dabei: Bei so vielen langen schwierigen und nun bekannten alpinen Trail-Abschnitten gehören die erlaubten Tourenstöcke neben dem Rucksack mit der Pflichtausrüstung zum Inventar.
Fotos: Rainer am First 2 vor dem Eiger
           Vor dem Faulhorngipfel
           Schneefelder

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